Die Turtle und die Ewigkeit

Licht und Information

Die Turtle und die Ewigkeit

 

Diese Geschichte hat zwei Teile. Sie beginnt mit dem für mich als Mensch typischen Teil. Denn ich denke, weil ich bin. *1

 

Der erste Teil ist für den Blog stark gekürzt. Ausführlich steht er auf meiner Seite tilohildebrandt.com. Er beschreibt die Antworten auf einige Fragen, die ich mir seit langem stelle und enthält einige Antworten auf Fragen, die ich gar nicht gestellt habe. Meine Fragen sind aber vermutlich nur von begrenztem Interesse für Andere.

 

Diese Erkenntnisse über die Zusammenhänge wurden mir von den Spirits gebracht. Alle Fragen trug ich schon lange mit mir herum. Der vorläufige Gipfel der Unklarheit entstand mit der Frage „Warum wurde der Mensch von dem gemeinsamen Bewusstsein abgetrennt?“ Ich war der Antwort schon nahe, aber trotzdem unsicher. So unsicher, dass ich von den Spirits gerufen wurde, eine Reise zu unternehmen. Der jüngste Ratgeber auf meiner Reise zu den Spirits ist eine Turtle. Sie ist auch der Spirit meiner Trommel, die wir gemeinsam mit den Living Spirits in Åsbacka gebaut haben.

 

Vor einer Woche waren wir noch an der NorthShore von Oahu, der sogenannten „Turtle Bay“. In einer der letzten Nächte dort waren die Spirits so präsent, dass ich von ihrer Kraft überwältigt war. Ich bin nicht mit ihnen gereist, weil ich zu ängstlich war und zu wenig Vertrauen hatte. Ich fühlte mich noch unvorbereitet für eine so bedeutende Reise.

 

Heute erhielt ich die Antwort auf alle Fragen, die in meinem Bild der Welt noch zusammenhanglos und unklar waren, ohne dass ich mich gewehrt habe. Das gemeinsame Informationsfeld hat mehrere Begrifflichkeiten (Energie, Licht, Bewusstsein). Alles ist an die Energie angebunden, der Mensch jedoch weniger als jede andere Materie. Er ist abgetrennt. In dem gemeinsamen Informationsfeld ist die Sicherheit allen Seins und Tuns. Außerhalb des Feldes ist die Unsicherheit des Lebens. Im Feld ist die Sicherheit des Todes der Materie.

 

Ohne die Sicherheit des gemeinsamen Bewusstseins benötigen wir Kommunikationsorgane mit denen wir die Unsicherheit relativieren. Wir gleichen unser Bild der Welt mit dem der anderen Menschen ab. Die Übereinstimmung nennen wir Realität. In unserer Realität gibt es die Zeit, die in einem Feld sinnlos ist. Was an einem Ort im Feld geschieht ist überall.

 

Entweder habe ich die Antwort auf die Frage: „Warum wurde der Mensch von dem gemeinsamen Bewusstsein abgetrennt?“ schon und erkenne sie nicht, oder ich bin nicht derjenige, der diese Frage stellen kann.

 

An Strand in der Hanalei Bay (Kauai) lag ich auf dem Bauch mit der Stirn auf der Erde. Alle Antworten flogen in mich hinein und gaben ein glasklares Bild ab. Jede Frage zu dem offenen Weltbild der Physik war beantwortet. Ich war glücklich aber unsicher, ob die erhaltenen Antworten meine Antworten waren. Mit dieser Unsicherheit ging ich schnorcheln.

 

Die Welt unter Wasser faszinierte mich. Große bunte Fische kreuzten meinen Weg. Sie schwammen nicht vor mir davon, sondern schienen mich im Gegenteil zu besuchen. Gelbe fast runde Fische drehten ihre Kreise. Ein blauer Fisch mit einer langen Nase machte mich neugierig. Seegurken lagen faul auf den Korallen. Die Flut kam gerade und ich musste aufpassen in der aufgewühlten See die Korallenbänke zu meiden.

 

Von der rechten Seite schob sich ein großer Schatten in mein Blickfeld – meine Turtle. Sie schwamm unter mir, eine Armlänge entfernt und blieb dort. Ich folgte ihr und war ganz sicher. Ich brauchte nicht mehr darauf zu achten wo die Korallenbänke waren. Turtle leitete mich und beschützte mich. Sie sah mich lange an. Dann wandte sie sich wieder den Korallen zu und suchte Futter. Ich blieb neben und über ihr. Wir schwebten gemeinsam im Schutz der aufgewühlten Flut. Ab und zu tauchte sie zum Atmen auf. Sie zeigte sich ohne Scheu von allen Seiten.

 

Wieder war ich unsicher. Ist das nicht eigentlich Elkes Turtle? Elke schwamm einige Meter neben mir. Ich bin zu ihr hin um sie auf die Turtle aufmerksam zu machen. Bevor ich noch meinen Schnorchel aus dem Mund hatte sagte Elke: „Ich gehe raus.“ Dann bin ich zurück, aber die Turtle war nicht mehr an dem Ort. Ja, jetzt habe ich verstanden. Die Wahrnehmung ist zu unterschiedlichen Zeiten nicht wiederholbar.

 

Ich trieb ruhig weiter und die Turtle erschien wieder. Eine wunderschöne grüne Hawaii-Schildkröte wie sie nur an diesen Inseln vorkommt. Wir waren nicht in der Turtle Bay und es gab keinen Grund in der Vernunft, warum sie hier war. Der einzige Grund war ich. Es gab weit und breit Nichts außer der Turtle und mir. Ich sah keine Fische mehr, ich vertraute der Kraft meiner Schildkröte. Es gab keine Riffe zu beachten. Ich war vollkommen sicher.

 

Die Turtle hatte nun einige Korallenriffe gefunden, an denen sie fressen konnte. Sie kümmerte sich darum. Eine engere Verbindung zwischen uns konnte es nicht geben. Sie teilte ihre Stärke mit mir. Das ist das schönste Geschenk in einer Partnerschaft.

 

Als ich ohne den Schutz und die Sicherheit der Turtle an Land ging habe ich mir die Hand und das Knie an den Korallen verletzt. Ja, jetzt kenne ich den Unterschied.

 

Später erzählte ich Elke beide Teile der Geschichte. Bei den logischen Antworten zu meinen offenen Fragen der Physik musste ich immer nachdenken während ich redete. Bei der Schilderung meiner Verbindung zu der Turtle musste ich weinen.

 

Hanalei, Montag, 18. Mai 2009, mittags

 

 

PS: Auf unserem Spaziergang am Nachmittag durch Hanalei wurden unsere Schritte in einen der vielen ART-Shops gelenkt. Gleich an der ersten Palette war das Bild meiner Turtle ausgestellt. Ich werde sie über meinen Schreibtisch hängen.

 

PPS: Der Künstler heißt Edgardo Garcia II und auf der Rückseite des Bildes steht: „Swimming with the turtles to me is like soaring in the heavens with the angels. Effortless and graceful, these creatures of the sea have helped me appreciate life here on earth as well as life beyond the physical realm.“

 

Hanalei, Montag, 18. Mai 2009, abends

 

Tilo Hildebrandt.



*1Womit ich das Gegenteil der Idee des René Descartes lebe. Er hat mit seinem „cogito, ergo sum“ die Grundlage unserer westlichen Kultur mitbegründet und in der Folge die Trennung von Geist und Materie postuliert.