Na Pali Coast - Hawai

Keali'i Reichel im MACC

Montag, 21. November 2011

An diesem Bericht schreibe ich wahrscheinlich etwas länger. Denn dieser Abend hat mich tief beeindruckt.

Keali’i Reichel ist einer der bekanntesten Kumu Hula (Hula Lehrer) hier auf Hawai’i. Viele wissen ja, dass ich selber seit einiger Zeit dem Hula verfallen bin. Den letzten Hula den ich gelernt habe, war ein Tanz von Keali’i Reichel (Mele A Ka Pu'uwai). Ein wunderschönes Stück mit einer herrlichen Choreographie.

Als wir vor zwei Wochen in Pa’ia angekommen sind ist mir sofort ein winziges „Plakat“ aufgefallen: Keali’i Reichel im Maui Arts and Cultural Center MACC. Sofort habe ich Tilo und mir zwei Tickets besorgt und mich von da an auf den Abend gefreut. Dass der so viel Eindruck bei uns Beiden hinterlässt haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst.

Keali’i Reichel ist nicht nur ein wunderbarer Tänzer und Sänger – er ist ein unglaublicher Geschichtenerzähler. Und absolut „down to the earth“ wie die Amerikaner sagen – also publikumsnah. In dem Raum waren keine 200 Leute und es gab eine kleine Bühne. UND genau in der ersten Reihe in der Mitte saßen Tilo und ich.

Wir haben an dem Abend nicht nur 3 ½ Stunden wunderbaren Hula gesehen – wir haben auch unglaublich viel über sein Leben und das der Hawaiianer erfahren. Und das berühmte Sahnehäubchen war dann noch das anschließende „Meet and Great“ mit ihm.

Ich versuche mal die Geschichten zusammen zu fassen…

Eine Menge Zeit in seiner Jugend hat er wie viele Hawaiianer bei seiner Großmutter (seiner Tutu) verbracht. Eine seiner Geschichten ging um seine Homosexualität. Er lag im Garten seiner Tutu und sonnte sich. Dann rief sie ihn mit strenger Stimme rein und sagte: DU – bist Du homosexuell???? Und er antwortete: ???Nööööööhhhhhhhhh?? Und sie sagte aber mit strenger Stimme: DOCH – ich glaube Du bist homosexuell!!! Und die Tutu hatte natürlich recht – Großmütter haben immer recht :-)

Auf Hawai‘i war lange Zeit die Sprache und die Tradition verboten. So ahnte kein Mensch, dass seine Tutu noch der hawaiianischen Sprache mächtig war. Er selber lernte sie und unterhielt sich gerne im Teenager-Alter mit seinen Kumpels auf Hawaiianisch, wenn die Erwachsenen etwas nicht mitbekommen sollten. Seine Tutu lieh ihm öfter ihr Auto – weil er selber noch keins hatte. Ein Kumpel rief ihn an und sie verabredeten am Telefon, sich am Abend zum saufen und Party machen zu treffen. Er brauchte Tutu’s Auto dazu – drehte sich zu ihr um und fragte: Kann ich deinen Wagen haben. Die Jungs und ich wollen zur Bibliothek: lernen und üben… Ihre Antwort: NEIN – du willst saufen mit den Jungs. Er bekam nie wieder ihr Auto geliehen – aber von da an wusste er, dass seine Tutu hawaiianisch sprach.

Als Jugendlicher sprach er hawaiianisch schon sehr gut. In Hilo auf Big Island gibt es eine Schule, die hawaiianisch lehrt. Diese eröffnete vor Jahren ein neues Gebäude und stellte eine neue Klasse zusammen. Wenige Tage vor Beginn sprang leider der vorgesehene Lehrer ab. Die Nichte der Rektorin ging mit Keali’i in die gleiche Klasse und wurde gefragt, ob sie nicht einspringen wolle. Sie sagte zu und engagierte Keali’i gleich mit. So ging er als Student von der Schule ab und wurde selber für die nächsten Jahre Lehrer an der Punana Leo in Hilo. 

Seine Familie sah nicht gerne, dass er sich so stark mit der Tradition befasste. Sie hätten ihn lieber amerikanischer gesehen, damit er später im Job eine bessere Chance bekäme. Heutzutage werden Sprache und Tradition der Hawaiianer gepflegt und auch gefördert. Aber zu seiner Zeit offenbarte sich ja noch nicht einmal seine Tutu, dass sie der Sprache mächtig war. Diese Auseinandersetzung mit seiner Familie ging so weit, dass er sich von ihnen trennte und sie einige Jahre nicht mehr gesehen hat. Nachdem er mit seinem eigenen Halau (Hulaschule) erfolgreich war, nahm er auch an einigen Wettbewerben teil. Einmal ging er mit einer ganzen Gruppe zu einem Wettbewerb und in dem Publikum saß seine Familie – ohne dass er es wusste. Nachdem sie seine wunderschönen Tänze gesehen haben, haben sie sich wieder versöhnt. An unserem Abend saßen Mutter und Vater von ihm im Publikum. Er hat einen wunderschönen Tanz für seine Mutter kreiert und der wurde auch an dem Abend getanzt. Sein Vater kommt übrigens aus Hamburg. Lebt aber auf Hawaii und Keali’i hat eher keine Verbindung zu seinen Wurzeln in Deutschland. So viel zu seinem Nachnamen.

Keali’i hat viel über sich als Kumu Hula erzählt. Er wirkt unheimlich sympathisch und freundlich. Aber er warnte und sagte, sobald er seinen Kumu Hula Hut auf dem Kopf hat, ist er unerträglich. Streng – pedantisch und duldet keine Nachlässigkeit. Alle vier Jahre öffnet er die Türen seiner Schule für neue Schüler. Sie können einen Monat lang an dem Unterricht teilnehmen und am Ende bleiben ungefähr 125 Schüler, die bei ihm lernen wollen. Nach 3 Monaten sind es noch 75 – nach einem halben Jahr 25 und nach einem Jahr 12. Er bringt es auf den Punkt indem er sagt: I am the owner of their Bodies. Die Körper der Tänzerinnen gehören ihm: sie dürfen sich nicht mehr die Haare schneiden, keine Fingernägel lackieren, die Fingernägel noch nicht einmal formen, wie sie wollen. Sie trainieren hart und regelmäßig. Vor Auftritten noch häufiger als sonst – er duldet keine Besucher während des Trainings. Und er sagt, seine Mädels brauchen unbedingt die Unterstützung ihrer Familien. Wenn die Mädels älter werden – dann die Unterstützung der Ehemänner: sonst geht es nicht. Und die Gruppe die an unserem Abend getanzt hat war schon 9 und 12 und sogar 30 Jahre dabei.

Es war ein wunderbarer Abend an dem viel gelacht und erzählt wurde. Aber während der einzelnen Stücke hat er immer wieder das Publikum aufgefordert ihm Fragen zu stellen. So hat er dann eine Geschichte nach der anderen als Antwort gegeben.

Am Ende des Konzertes gab es eine Zugabe und dann war „Meet and Great“. Ich war total aufgeregt – schließlich saß ich ja in der ersten Reihe. Als der größte Teil des Publikums gegangen war, schlenderte er nochmals auf die Bühne, fläzte sich gemütlich auf den Bühnenrand und hat noch lange mit uns erzählt. Er gab Autogramme und ich bekam endlich mein Foto. Als dann endlich alle Fragen beantwortet waren, sind wir so langsam aus dem Saal gekehrt worden.

Ach ja – eine Geschichte habe ich noch zum Abschluss. Er ist unglaublich klein - was aber durch seine wahnsinnige Präsenz auf der Bühne überhaupt nicht auffällt. Er erzählte, dass die Leute immer sehr erstaunt sind über seine geringe Körpergröße. Einmal betrat er einen Laden und die Verkäuferinnen steckten gleich ihre Köpfe zusammen. Sie tuschelten und er hört raus: Ist das nicht Keali’i Reichel??? Er horchte weiter und hörte dann die Antwort: Nööööhhh der ist viel zu klein!!! :-)

Es fallen mir in den nächsten Tagen bestimmt noch viele Erzählungen von ihm ein. Aber jetzt genießt erst einmal…

Der Meister macht und Musik und singt dazu. Und sie tanzen und tanzen und tanzen...

youtu.be/FV9kniBqSKM

www.youtube.com/watch

www.youtube.com/watch

 

und hier die jüngsten Schülerinnen mit Mele A Ka Pu'uwai

www.youtube.com/watch

Ich habe noch einige schöne Bilder von Tilo's Kamera geklaut. Die stelle ich jetzt einfach unsortiert hier ein.

ich habe die Tickets!!!!

sein Halau

und da ist ER

meet and great

oohhh war ich nervös

in der Kälte des Haleakalā

Schnorcheln bei Molokini